Video: Markus Fleischmann (Text), Matthias Fleischmann (Film)

In Nürnberg plant die Deutsche Bahn (DB) ihr neuestes ICE-Instandhaltungswerk: 460.000 Quadratmeter Betriebsfläche (knapp 65 Fußballfelder!) auf einem Grundstück mit 5,5 Kilometer Länge. Das Herzstück bildet eine 450 Meter lange Halle, in der ab 2028 jeden Tag (rund um die Uhr!) bis zu 25 ICE-Züge gewartet und instandgesetzt werden können. Als „Blaupause“ für das Nürnberger ICE-Werk dient das 2018 in Betrieb genommene ICE-Werk in Köln –Nippes.

Die Stadtspitze hat diese Entscheidung ausdrücklich begrüßt. OB Marcus König bezeichnete den 5. Oktober 2020, denTag der Entscheidungsbekanntgabe der DB, via soziale Medien als „guter Tag für unsere Stadt und für die gesamte Region.“ Und er sicherte zu, dass die Stadt Nürnberg in der engen Zusammenarbeit mit der DB „immer wieder die Interessen der Nürnbergerinnen und Nürnberger vertreten[wird]“. Hierbei sind „die Anliegen der Anwohner und der Ökologie […] besonders wichtig“. Diese Worte werden der politische Gradmesser für die Stadtspitze und die Politiker*innen im Stadtrat Nürnbergs im weiteren Bürgerdialog sein.

Über ihre Webseite informiert die Bahn plakativ über das Vorhaben, jedoch bleiben zahlreiche Fragen, die die betroffenen Bürger*innen beschäftigen, unbeantwortet. Die Form des Bürgerdialogs der DB ist nicht bekannt und die Sorge, dass – ähnlich wie beim Ausbau des Autobahnkreuz Nürnberg Ost – bereits Entscheidungen getroffen werden, ohne ein adäquates Forum für die verunsicherten betroffenen Anwohner*innen angeboten wird, ist groß. Erste Reaktionen der städtischen Spitzenpolitiker lassen nicht erwarten, dass die Interessen der betroffenen Nürnbergerinnen und Nürnberger adäquat vertreten werden und die Stadt hier „eng am Ball“ zum Wohle seiner Bürger*innen agiert.

Dem kolportierten Nutzen der Stadt durch das ICE-Werk (450 neue Arbeitsplätze und Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe) stehen die Vernichtung von 45 ha Waldfläche, vieles davon Bannwald und im Landschafts-und Vogelschutzgebiet, gegenüber. Darüber hinaus besteht beim Blick auf das ICE-Werk Köln-Nippes die berechtigte Sorge, dass insbesondere die Anwohner in Altenfurt, aber auch in Fischbach und Moorenbrunn, zukünftig einer hohen Lärm-und Lichtbelastung ausgesetzt werden, die Auswirkungen auf Gesundheit, Lebensqualität und auch Grundstücks-/ Immobilienwerte in den betroffenen Stadtteilen haben können und im Falle einer Umsetzung des Vorhabens an dem präferierten Standort der Bahn auch haben werden.

Im Zuge der vorherrschenden Verunsicherung und der Sorge über einen weiteren deutlichen Verlust an Umwelt-und somit Lebensqualität im Nürnberger Südosten (Autobahnkreuz, Tennet-Juraleitung, Bau einer riesigen Radsporthalle, Bau eines Amazon-Logistikzentrums mit nächtlicher Anlieferung durch Groß-LKW) haben sich betroffene Bürger*innen in einer Facebook-Gruppe „Geplantes ICE-Werk in Altenfurt / Fischbach“ organisiert. Diese fordert Transparenz im Verfahren, Berücksichtigung der Anliegen durch DB und Politik, sowie Mitspracherecht bei Entscheidungen im Sinne des demokratischen Diskurses.

Uns ist allen klar, dass der Bau des ICE-Werkes wichtig für die Verkehrswende ist und wir befürworten diese ausdrücklich. Aber man darf nicht ein Klimaziel auf Kosten eines anderen Klimazieles durchdrücken – in unserem Fall die erneute Rodung von Teilen des Reichswaldes – wenn es auch noch andere Möglichkeiten/Standorte gibt.

Daher unsere Kernfrage:

Warum zwängt die Deutsche Bahn Ihr ICE-Werk zwischen zwei Wohngebiete, in Krankenhausnähe und rodet dafür hektarweise Bannwald im Natur- und Vogelschutzgebiet? Gibt es wirklich keine einzige sinnvolle Alternative in Nürnberg, in ganz Bayern?