Die folgenden Argumente spiegeln vornehmlich die Interessen der Anwohner wieder. Wenn man umwelt- und regionalpolitische Aspekte zusätzlich betrachten würde, kämen noch einige weitere Ablehnungsgründe hinzu, was hier aber zu weit führen würde.

Zusätzlich sei gesagt, dass wir natürlich nicht gegen die Neuschaffung von Arbeitsplätzen und gegen Investitionen in der Region sind. Ebenso befürworten wir generell den Bau eines neuen ICE-Werks, damit die dringend benötigte Verkehrswende weiter voranschreiten kann. Wir sehen die von der DB favorisierte Standortwahl Altenfurt/Fischbach jedoch als nicht tragbar an (sowohl Variante 1 als auch Variante 2, siehe Projektvorstellung DB). Warum das so ist, wird im Folgenden genauer erklärt.

Argumente gegen das ICE-Werk am Standort Altenfurt/Fischbach

Rodung des Bannwaldes

  • Definition Bannwald (Bayerisches Waldgesetz, Art. 11):

    „(1) Wald, der auf Grund seiner Lage und seiner flächenmäßigen Ausdehnung vor allem in Verdichtungsräumen und waldarmen Bereichen unersetzlich ist und deshalb in seiner Flächensubstanz erhalten werden muss und welchem eine außergewöhnliche Bedeutung für das Klima, den Wasserhaushalt oder für die Luftreinigung zukommt, soll durch Rechtsverordnung zu Bannwald erklärt werden.(2) Zu Bannwald kann durch Rechtsverordnung ferner Wald erklärt werden, der in besonderem Maß dem Schutz vor Immissionen dient.“ (https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayWaldG-11)

  • Abholzung des Waldes und Ausgleichsmaßnahmen
    „Bannwald“ ist der höchste Schutzstatus den ein Wald in Deutschland haben kann und sollte diesen eigentlich unantastbar machen. Falls doch einmal ein Teil davon gerodet werden muss, sagt das Bayerische Waldgesetz folgendes (Bayerisches Waldgesetz, Art. 9 Absatz 6 Satz 2):

    „²Im Bannwald kann die Erlaubnis [zur Rodung] erteilt werden, wenn sichergestellt ist, dass angrenzend an den vorhandenen Bannwald ein Wald neu begründet wird, der hinsichtlich seiner Ausdehnung und seiner Funktionen dem zu rodenden Wald annähernd gleichwertig ist oder gleichwertig werden kann.“ (https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayWaldG-9)
    –> eine Umwidmung von Staatswald in Naturwald erfüllt diese Gesetzesforderung nicht! Außerdem kann nicht in der Nähe von Altenfurt/Fischbach aufgeforstet werden, da es hier keine Flächen dafür gibt. Das hat zur Folge, dass bspw. – wie im Falle der Aufforstung als Ausgleich für die Rodung für den Ausbau des Autobahnkreuzes A6/A9 – hier in Altenfurt gerodet wird, die Aufforstung aber in Schwabach stattfinden soll. Die Anwohner haben somit keinen Nutzen von der Aufforstung, nur den Schaden der Abholzung.

  • Ausgleichsmaßnahmen in der Realität

    Der Staat und die Länder kommen ihrer Pflicht zum Aufforsten als Ausgleich von Rodungen früher oder später nach. Viele privatwirtschaftliche Unternehmen jedoch nicht, da die Nichterfüllung der Aufforstung offenbar nicht bestraft wird. (“Wenn der Naturschutz nur auf dem Papier steht”, BR24, 04.12.2020)

  • Zerstörung durch die Bannwaldrodung

    Dadurch, dass für das ICE-Werk eine Fläche von ca. 45 Hektar gerodet werden müsste, zieht die Rodung auch eine Menge an dauerhafter Zerstörung nach sich. Folgendes würde dem Bau des Werks zum Opfer fallen (ohne Wertigkeit aufgelistet):

    • ein Orchideen-Biotop
    • Teile eines europäischen Vogelschutzgebietes
    • Teile des Langwasser Landschaftsschutzgebietes
    • der Fußweg durch den Wald von Altenfurt nach Fischbach (ist auch der kürzeste und einzige autofreie Weg von Altenfurt zum Fischbacher Friedhof!)
    • ein Naherholungsgebiet für die Anwohner
    • große Teile des Waldes, der als natürlicher Lärmschutz gegen den Lärm der Autobahnen A6 und A9 dient

  • Flächenversiegelung im Süd-Osten Nürnbergs

    Der Nürnberger Süd-Osten ist ein hochwassergefährdetes Gebiet, welches als natürlichen Hochwasserschutz Flächen benötigt, auf welchen Wasser versickern kann. Statt diese zu schützen, werden derzeit immer mehr Flächen gerodet und anschließend versiegelt – obwohl in der Politik ständig davon geredet wird, dass die extreme Flächenversiegelung gestoppt werden muss. Der Bund Naturschutz hat kürzlich in einem Online-Artikel zusammengefasst, wo in letzter Zeit überall Wald und Naturflächen zugunsten weiterer Baumaßnahmen geopfert wurden und noch bebaut werden soll (ICE-Werk contra Bannwald und Orchideen, BUND Naturschutz in Bayern e.V., 25.12.2020): 

    • Ausbau der A6
    • Ausbau des Autobahnkreuzes A6/A9 Nürnberg Ost – ca. 15 ha
    • Rodung für das Postgelände – über 20 ha
    • Bebauung beim August-Meier-Heim – über 4 ha
    • Bau des Asphaltmischwerks am Südklinikum

        geplante Baumaßnahmen:

    • Radschnellweg
    • Velodrom (liegt derzeit auf Eis, wegen fehlender finanzieller Förderung)
    • ICE-Werk – ca. 45 ha
    • Juraleitung

Lärm-, Lichtbelastung und Verkehr

  • Werk in Köln-Nippes (Vorlage für das Werk in Nürnberg)

    Das ICE-Instandhaltungswerk in Köln-Nippes wurde am 23.02.2018 eröffnet und wird laut Bahn die Vorlage für das Werk in Nürnberg sein, nur dass letzteres noch länger werden soll. Es wurde auf einem bestehenden Gelände der DB errichtet. Seit der Eröffnung des Werkes in Köln gibt es erhebliche Probleme, durch Dauerlärm und Licht, für die Anwohner, da die DB die Grenzwerte regelmäßig überschreitet. Die Stadt Köln, die ursprünglich für das Werk war, würde mittlerweile gerne gegen die DB klagen und ihre Anwohner unterstützen, ist rechtlich dazu aber nicht befugt (“Stadt darf Anwohner nicht unterstützen”, Kölner Stadt-Anzeiger, 27.02.2020).

  • Lichtbelastung
    Das Werksgelände muss nachts sehr hell beleuchtet werden, damit die DB die arbeitsrechtlichen Vorgaben erfüllt. Das hat zur Folge, dass 6 Meter hohe Lichtmasten das komplette Gelände erleuchten – in Köln sind sie sogar 12 Meter hoch, wobei die DB zugesichert hat, dass künftig wieder nur 6 Meter hohe Lichtmasten verwendet werden. Dieses Licht schein jedoch viel weiter als nur auf das Gelände. Die angrenzende Bebauung und die Natur werden keine dunklen Nächte mehr haben, da das Werk durchgängig in Betrieb sein wird und 60% der Arbeiten nachts erledigt werden. Eine solche Lichtbelastung kann für die Gesundheit von Mensch und Natur zu einer starken Belastung werden. Weitere Informationen findet man unter den folgenden Links:

  • Lärmbelastung

    Der Plan der DB ist, in dem ICE-Werk 25 Züge pro Tag zu warten, wobei ca. 60% der Arbeiten in der Nacht erledigt werden sollen. Der größte Lärmfaktor hierbei sind die Tests der Makrophone (Hupen). Diese erreichen über 100 Dezibel und müssen bei jeder Wartung überprüft werden. Die Überprüfungen können aber, aufgrund von Arbeitsschutzvorgaben, nicht in der Wartungshalle stattfinden, sondern müssen auf dem Außengelände durchgeführt werden. Zusätzlicher Lärm entsteht durch das Rangieren der Züge über die vielen Weichen hinweg – wie das klingt kann man sich beispielsweise am Rangierbahnhof anhören. Ebenso verursachen die laufenden Motoren und Klimaanlagen der wartenden Züge erheblichen Lärm.All diese Lärmfaktoren würden dann noch zusätzlich zu dem bestehenden Lärm durch den Güter-, Fern- und S-Bahn-Verkehr hinzukommen. Dabei zeigen die Lärmkartierungen des Eisenbahnbundesamtes für die Strecke bei Fischbach (https://www.eba.bund.de/DE/Themen/Laerm_an_Schienenwegen/Laermkartierung/Haupteisenbahnstrecken/by/by_node.html) , dass der Lärmwert des Zugverkehrs in Altenfurt und Moorenbrunn schon jetzt – ohne ICE-Werk – über den eigentlichen Grenzwerten der TA Lärm liegt. 

  • Beeinträchtigung des Klinikums Nürnberg Süd und des August-Meier-Heims

    Sowohl das Klinikum als auch das August-Meier-Heim werden durch den zusätzlichen Lärm des ICE-Werks, vor allem in der Nacht, stark beeinträchtigt. Gerade pflegebedürftige und kranke Menschen benötigen Ruhe und einen guten Schlaf, welcher besonders durch die Makrophontests (Hupentests) nicht mehr gewährleistet werden kann.

  • Steigung des Verkehrsaufkommens

    Der Verkehr in Altenfurt und Moorenbrunn wird wegen des Anlieferverkehrs zum ICE-Werk erheblich steigen. Wenn zum Beispiel ein Lieferwagen von der A6 kommt, wird der Fahrer lieber durch Moorenbrunn und Altenfurt hindurch fahren, als über das Autobahnkreuz A6/A9, da dort meist viel Verkehr oder sogar Stau ist. Ähnlich war der Verkehr in Moorenbrunn bevor die Umgehung nach Feucht durch das Gewerbegebiet gebaut wurde.

  • Änderung der Verkehrsführung
    Der ganze Bereich am S-Bahnhof Fischbach Bahnhof müsste neugestaltet werden, da die neuen Schienen über die Löwenberger Straße hinweg geführt werden müssten. Vermutlich würde die Untertunnelung stark verlängert und der Zugang zur S-Bahn nur noch durch den Tunnel möglich. Die Bushaltestellen müssten somit auch entweder in den Tunnel oder komplett verlegt werden. Im Weiteren würde wahrscheinlich die Auffahrt auf die Regensburger Straße in Richtung Autobahn auch verlegt werden. Für Variante 2 des geplanten ICE-Werks (siehe Planvorstellung DB) müsste sogar ein ganzes Teilstück der, erst kürzlich erneuerten, Regensburger Straße inklusive beider Auf- und Abfahrten weiter in Richtung Fischbach verlegt werden, wofür dort ebenfalls Bannwald gerodet werden müsste.

Wertverlust der Grundstücke

Dieses Argument hat rechtlich und politisch überhaupt kein Gewicht und wird daher nur kurz am Schluss erwähnt, denn die Anwohner sind trotzdem beunruhigt und somit ist es sehr wohl von Bedeutung.
Die erhebliche Lärmbelastung – und für Grundstücke nah an den Gleisen ebenso die Lichtverschmutzung – wird sich nachhaltig und massiv auf den Wert der Grundstücke in Altenfurt und Fischbach auswirken. Das hat vor allem finanzielle Auswirkungen für die Familien, die sehr hohe Darlehen aufnehmen mussten, um sich hier ein Eigenheim kaufen zu können, welches dann bei Bau des ICE-Werkes weniger wert sein wird.